Montag, 20. Oktober 2008

Anklage gegen Chefarzt Broelsch steht bevor

Prof. Christoph Broelsch, Chefarzt am Uniklinikum Essen hat ein Problem, vielleicht auch mehrere Probleme.

Die Staatsanwaltschaft Essen hat nun angekündigt, gegen den suspendierten Leiter der Klinik für Transplantationsmedizin Ende des Monats Anklage zu erheben wegen Erpressung, Nötigung, Betrug und Verstoßes gegen das Transplantationsgesetz.

WAZ und der FOCUS berichten.

Broelsch soll -verkürzt dargestellt- Patienten bei Operationen und Transplantationen bevorzugt bzw. überhaupt erst operiert haben, wenn diese eine "Geldspende" zahlten. Selbige Spende sollte natürlich nur für "Forschungszwecke" verwendet werden.

Wie das im einzelnen ablief, schildern zwei etwas ältere Artikel aus den Ruhr-Nachrichten.

Um die Darstellung abzurunden, möchte ich noch auf diese Webseite hinweisen. Wobei ich mir gerade nicht ganz klar bin, ob ich das für eine interessante Ansicht halten soll oder doch eher für Äußerungen aufgrund -verständlicher- Fehlwahrnehmung eines kriminellen, verabscheuungswürdigen Verhaltens.
"Täglich sterben statistisch gesehen in der Bundesrepublik Deutschland 3 Menschen nicht an ihren schweren Erkrankungen, sondern an Organmangel."
ist dort unter anderem zu lesen. Abgesehen davon, dass ich das für eine falsche Darstellung halte, denn um an "Organmangel" zu sterben braucht man erstmal eine ganz erhebliche Grunderkrankung, sollte man vielleicht auch mal eine gewisse Wechselwirkung betrachten bzw. bedenken, was Ursache und Wirkung ist.

Ich bin nämlich sehr sicher, dass Broelsch mit seinem Verhalten der Spendebereitschaft in Deutschland einen Bärendienst erwiesen hat. Die Vorwürfe gegen ihn -die ich für mindestens teilweise begründet halte- sind eine Bestätigung für alle, die "eh´schon immer wussten, dass es bei der Organspende nicht mit rechten Dingen zugeht".

Frei nach dem Motto:
Organspende: Ja, vielleicht.
Organe durch Chefarzt verkaufen lassen: Nein, danke.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das hat der SPIEGEL schon vor ~ einem Jahr gemeldet ;)

Kollege S. hat gesagt…

Der Spiegel (und zahlreiche andere Medien auch) haben schon vor längerer Zeit über Ermittlungen gegen Broelsch berichtet.

Die Meldung, dass diesen Monat Anklage erhoben werden soll ist neu.

Anonym hat gesagt…

Hallo,

ich finde es interessant, dass Sie auf meine Seite verlinken. Vielleicht sollten wir uns einmal über die Angelegenheit austauschen. Zum Thema Organmangel: Es ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen, dass vielen Menschen durch eine Transplantation das Leben gerettet werden kann. Dies ist dann der Fall, wenn ein so genanntes vitales Organ derart geschädigt ist, so dass um überleben zu können eine Organtransplantation alternativlos ist. Wenn nun diese Menschen aufgrund der Organknappheit hierzulande kein Organ mehr rechtzeitig zugeteilt bekommen, dann müssen sie sterben. Es gibt verschiedene Statistiken darüber, dass dies (statistisch erfasst) in Deutschland täglich drei Menschen so geht, wobei die Tendenz steigend ist. (Vgl. z.B. DSO).

Was Prof. Broelsch betrifft gilt für mich so lange die Unschuldsvermutung, bis es u. U. zu einem rechtskräftigen Urteil kommt. Selbstverständlich bin ich der Ansicht, dass Starftaten ohne Ansehen jedweder Person selbstverständlich geahndet und ggfls. bestraft gehören. Zu einem Urteil ist es aber bisher nicht gekommen. Deshalb finde ich die massenhaften Vorverurteilungen sehr bedenklich.

Gruß

Ulrich Coppel