Morgens um 8.00 Uhr der erste Termin mit einem Sachverständigen in einer schimmelnden Wohnung. Nicht wirklich meine Zeit, aber es langte, meinen Namen zu sagen, intelligent zu gucken und Brummlaute von mir zu geben.
Seitdem im Büro.
Gerade habe ich mich innerlich geweigert, eine eMail an eine österreichische Adresse zu verschicken, da mir die Vorwahl für Österreich nicht einfiel.
Scheint Zeit für den Feierabend zu sein.
Dienstag, 26. April 2011
Montag, 11. April 2011
P wie Pleite II
In den Folge-Tagen gehen die Anschreiben an die Gläubiger raus, Herr P. erhält
entsprechende Abschriften.
Gut, also eigentlich erhält er den selben Brief ungefähr 12-mal, denn soviele Gläubiger hat er, und die Briefe unterscheiden sich jetzt gerade mal in der Anschrift, der Anrede und der Angabe eines
Aktenzeichens. Aber man hat ja auch eine Gesamtverantwortung gegenüber Post und der Papierindustrie und so bekommt Herr P. also von jedemdieser Briefe eine Abschrift samt Begleitschreiben. Nein, ich habe aufgegeben, das zu hinterfragen.
Etwa eine Woche später habe ich die Akte wieder auf dem Schreibtisch. Mit
einem Vermerk über einen Anruf.Gesprächsnotiz
Anrufer: Herr P. in seiner Insolvenzsache.
Sie haben zwei total falsche Gläubiger angeschrieben. Seine Baufinanzierungen
sind bei "Topzins-Baufinanzierungen" und bei "Sparkasse Unterdorf". Die "Gute
Geschäftsbank AG" und "Kreissparkasse Schönesland" sind total falsch. Es
müssen jetzt unbedingt die richtigen Gläubigern angeschrieben werden. Er will
sich aber noch überlegen, ob er nicht lieber woanders hingeht, er hat kein
Vertrauen mehr.
Ich beiße in die Tischkante, falle danach hintenüber und bleibe ca. 10 Minuten
krampfend auf dem Teppich liegen.
Danach ist man so herrlich entspannt und hat den Kopf frei. Ich greife zum Diktiergerät:
Sehr geehrter Herr P.,
diesen ganzen Kram mit "Topzins-Baufinanzierung" und der "Sparkasse Unterdorf"
hatte ich Ihnen in dem entsprechenden Gespräch am XX.YY.2011 doch ausführlich
erklärt.
Gerne aber für Sie nochmal langsam:
"Topzins-Baufinanzierung" ist ein Werbespruch der "Gute Geschäftsbank AG".
Mit einem Werbespruch haben sie aber keinen Kreditvertrag, sondern mit der
"Gute Geschäftsbank AG", das steht auch so ausdrücklich im Vertrag.
Aus der Sparkasse Unterdorf ist mittlerweile die "Kreissparkasse Schönesland"
geworden. Die Sparkasse Unterdorf gibt es also so nicht mehr, daher kann man
an die nicht mehr schreiben.
Freundlicher Gruß
[kritzel]
Rechtsanwalt
PS: Wenn sie das Mandat kündigen wollen, werde ich Sie nicht aufhalten.
An dieser Stelle mal ein Lob an Frau RAFA, die schafft es durchaus solche
Briefe selbstständig sozialtauglich umzuformulieren.
Montag, 4. April 2011
P wie pleite
Herr P. pleite und wenn man pleite ist, also so richtig überschuldet, tut man
gut daran, eine Privatinsolvenz einzuleiten.
Das hat Herr P. auch gemacht und sich vertrauesnvoll an die "Kanzlei am Rande
der Stadt" gewandt.
Das Gespräch mit Herrn P. führe ich. Es geht darum, herauszufinden, wo er denn überall verschuldet
ist, oftmals habe entsprechende Mandanten nämlich schon den Überblick verloren. Im zweiten Schritt würde man diese mutmaßlichen Gläubiger dann anschreiben, um das herauszufinden und im dritten schliesslich dann einen Einigungsversuch unternehmen. Welcher übrigens in der Regel scheitert und man dann zu Schritt 4
kommt, dem gerichtlichen Inso-Verfahren.
Aber langsam.
Herr P. sitzt also vor mir und wir unterhalten uns über seine Gläubiger. Herr
P. hat zwe große Kredite offen und -das ist
fast überraschend- nicht bei der inso-szene-typischen ehemaligen
"Stadt-Bank", die jetzt anders heißt, sondern bei nahezu soliden Banken.
Als ich diese als Gläubiger notiere unterbricht mich Herr P.: "Nee, das ist
nicht die "Gute Geschäftsbank AG", den Vertrag habe ich doch bei "Topzins-Baufinanzierungen" geschlossen."
Ich stutze und schaue mir den Vetrag nochmal an. Dabei muss ich jetzt
zwischendurch für Herrn P. eine Lanze brechen. der hat nämlich tatsächlich
seine Verträge geordnet abgeheftet, ohne Flecken, ohne Nikotingestank. Das ist
selten.
Herr P. weiter: "Sehen sie, das steht oben drauf, "Topzins-Baufinanzierungen"."
Ja, das steht tatsächlich drauf. Ein geschwungener Schriftzug, der einen guten
Teil der ersten Seite des Kreditvertrages einnimmt.
"Aber schauen Sie mal, Herr P.; hier im Vetrag steht ausdrücklich,
Darlehnsgeber ist die "Gute Geschäftsbank AG", und unten bei den
Unterschriften ist auch ein Stempel von der "Gute Geschäftsbank AG"."
Der Vertrag ist also zwischen Ihnen und der "Gute Geschäftsbank AG"
geschlossen. Ich glaube "Topzins-Baufinanzierungen" ist nur so ein
Werbespruch, den die da so quer über den Vertrag geschrieben haben.
"Ach so", zeigt sich Herr P. einsichtig. "Aber der andere Vetrag, der ist mit
der der Sparkasse Unterdorf geschlossen!"
"Ja das ist richtig. Allerdings hat die Sparkasse Unterdorf mittlerweile mit
der Sparkasse Mittelstadt fusioniert. Die nennen sich jetzt "Kreis-Sparkasse
Schönesland". Deswegen habe ich die auch aufgeschrieben."
"Ach so!"
Wir reden noch, insgesamt unfallfrei, über die weiteren Gläubiger und Herr P.
verabschiedet sich mit den besten Wünschen für das Wochenende.
...
Donnerstag, 10. März 2011
Gas
Herr G hat ein Problem. Der lokale Gas- und Stromversorger mag ihn nicht mehr versorgen.
Deswegen verklagt der lokale Gas- und Stromversorger (LGV) Herrn G. darauf, dass er Strom und Gas abklemmen darf. Normalerweise sind die nicht so zimperlich und klemmen schon ab, wenn Sie kein Geld bekommen, aber dummerweise hat Herr G vor einiger Zeit mal eine einstweilige Verfügung erwirkt, dass LGV ihn mit Gas und Strom versorgen muss.
Da die weiterhin gültig ist, kann LGV ihm nicht einfach den Saft abdrehen.
Nun ja, theoretisch zumindest. Denn jetzt klagt LGV nämlich darauf, ihm doch den Saft abdrehen zu können. Und die Begründung liest sich abenteuerlich: Offenbar hat Herr G. einfach seit der einstweiligen Verfügung sicherheitshalber überhaupt keine Strom- und Gasabschläge mehr gezahlt.
Herr G. reicht die Klageschrift in die Kanzlei herein, mit dem Hinweis, "man möge sich drum kümmern". Klar, das verstehe ich, Herr G. ist Frührentner, da ist die Zeit für 15 Minuten mit dem Anwalt knapp. So Dinge wie eine mögliche Honorierung der anwaltlichen Tätigkeit muss man eh´ nicht besprechen.
Also flugs ein kurzer Schriftsatz an das Gericht, dass man Herrn G. vertritt und ein weiteres Schreiben an Herrn G., er möge bitte einen Termin vereinbaren, um die Sache zu besprechen.
Es geht die erste Woche ins Land, Herr G. meldet sich nicht. Die Frist, um inhaltlich auf die Klage zu erwidern, droht langsam aber sicher zu verstreichen, also ein weiteres Schreiben an Herrn G.
Herr G. meldet sich auch nicht auf das zweite Schreiben, eine Telefonnummer haben wir nicht von ihm.
Zwischenzeitlich beantrage ich bei Gericht eine Fristverlängerung, da "aufgrund einer Vielzahl von bearbeitender Mandate und temporär bestehender Arbeitsüberlastung derzeit noch keine Rücksprache mit dem Mandanten möglich war."
Ich diktiere ein drittes Schreiben an Herrn G.:
Daraus macht die RAFA:
Naja wegen meiner. Schauen wir mal, ob er sich meldet.
Deswegen verklagt der lokale Gas- und Stromversorger (LGV) Herrn G. darauf, dass er Strom und Gas abklemmen darf. Normalerweise sind die nicht so zimperlich und klemmen schon ab, wenn Sie kein Geld bekommen, aber dummerweise hat Herr G vor einiger Zeit mal eine einstweilige Verfügung erwirkt, dass LGV ihn mit Gas und Strom versorgen muss.
Da die weiterhin gültig ist, kann LGV ihm nicht einfach den Saft abdrehen.
Nun ja, theoretisch zumindest. Denn jetzt klagt LGV nämlich darauf, ihm doch den Saft abdrehen zu können. Und die Begründung liest sich abenteuerlich: Offenbar hat Herr G. einfach seit der einstweiligen Verfügung sicherheitshalber überhaupt keine Strom- und Gasabschläge mehr gezahlt.
Herr G. reicht die Klageschrift in die Kanzlei herein, mit dem Hinweis, "man möge sich drum kümmern". Klar, das verstehe ich, Herr G. ist Frührentner, da ist die Zeit für 15 Minuten mit dem Anwalt knapp. So Dinge wie eine mögliche Honorierung der anwaltlichen Tätigkeit muss man eh´ nicht besprechen.
Also flugs ein kurzer Schriftsatz an das Gericht, dass man Herrn G. vertritt und ein weiteres Schreiben an Herrn G., er möge bitte einen Termin vereinbaren, um die Sache zu besprechen.
Es geht die erste Woche ins Land, Herr G. meldet sich nicht. Die Frist, um inhaltlich auf die Klage zu erwidern, droht langsam aber sicher zu verstreichen, also ein weiteres Schreiben an Herrn G.
Herr G. meldet sich auch nicht auf das zweite Schreiben, eine Telefonnummer haben wir nicht von ihm.
Zwischenzeitlich beantrage ich bei Gericht eine Fristverlängerung, da "aufgrund einer Vielzahl von bearbeitender Mandate und temporär bestehender Arbeitsüberlastung derzeit noch keine Rücksprache mit dem Mandanten möglich war."
Ich diktiere ein drittes Schreiben an Herrn G.:
"Es ist dringend notwendig, auf die Klageschrift und die mit meinem Schreiben vom XX benannten Fragen zurückzukommen. Wir müssen entsprechend an das Gericht erwidern. Melden Sie sich bitte dringend oder Sie können bereits jetzt einen Campingkocher kaufen."
Daraus macht die RAFA:
"..oder sie werden den Rechtsstreit voraussichtlich verlieren und Gas und Strom werden abgesperrt."
Naja wegen meiner. Schauen wir mal, ob er sich meldet.
Sonntag, 20. Februar 2011
Bundeswehr-Püschologie
Während ich hier am Sonntagvormittag meine Steuererklärung vorbereite, fallen mir gerade meine Musterungsunterlagen in die Hände. An dieser Stelle bitte keine Kritik an meiner privaten Aktenhaltung.
Besonders faszinierend ist dabei ein mittlerweile 11 Jahre altes Schreiben einer Psychologin des Kreiswehrersatzamtes, die mir aufgrund ausgefeilter Untersuchungen und Testverfahren meiner Person diverse Verwendungen für eine blendende Karriere während meines Wehrdienstes vorschlägt:
Nun ja, die Realität sollte es anders mit mir meinen. Die Bundeswehr habe ich von innen nie zu Gesicht bekommen. Obwohl ich mal auf einem Tag der offenen Tür dort war und mit einem G3 schießen durfte. Das war schon spannend...
Besonders faszinierend ist dabei ein mittlerweile 11 Jahre altes Schreiben einer Psychologin des Kreiswehrersatzamtes, die mir aufgrund ausgefeilter Untersuchungen und Testverfahren meiner Person diverse Verwendungen für eine blendende Karriere während meines Wehrdienstes vorschlägt:
- F2 Stabsdienstsoldat
- G6 Flugbetriebsspezialist
- G9 Flugabfertiger
- L0 Nachschubbuchführer
Nun ja, die Realität sollte es anders mit mir meinen. Die Bundeswehr habe ich von innen nie zu Gesicht bekommen. Obwohl ich mal auf einem Tag der offenen Tür dort war und mit einem G3 schießen durfte. Das war schon spannend...
Samstag, 12. Februar 2011
Nachtrag: Zukunft
Einen hab ich noch:
Intensivling der oder die zeitweilig auf meiner Blogroll war, hat selbige leider vor ca. einem halben Jahr wieder verlassen.
Das Blog ist dicht, aus zweierlei Gründen: Zum einen wegen Zeitmangels, zum anderen auch zum Identitäts- und Karriereschutz. Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen.
Auch das möchte ich gerne für mich vermeiden.
Intensivling der oder die zeitweilig auf meiner Blogroll war, hat selbige leider vor ca. einem halben Jahr wieder verlassen.
Das Blog ist dicht, aus zweierlei Gründen: Zum einen wegen Zeitmangels, zum anderen auch zum Identitäts- und Karriereschutz. Die ganze Geschichte kann man hier nachlesen.
Auch das möchte ich gerne für mich vermeiden.
Die Zukunft dieses Blog
Man ahnt es, es weht ein Hauch von Pathos durch diesen Beitrag. Aber um es vorwegzunehmen: Nein, ich werde nicht aufhören.
Wenn man die Anzahl der Beiträge in diesem Blog betrachet, sieht das folgender maßen aus:
2008: 120 Beiträge
2009: 58 Beiträge
2010: 38 Beiträge
Seit zwei Jahren nimmt hier also die Anzahl der Blogbeiträge permanent ab. Das hängt zu einem großen Teil damit zusammen, dass ich weniger Zeit als früher habe, hier Dinge einzustellen. Mehr Arbeit, auch in Zusammenhang mit dort betriebenen Internetprojekten, lassen diesen Blog da teilweise zu kurz kommen.
Nicht alles, was mit unterkommt, ist blogbar. Für vieles müssen erst einige Tage vergehen und ich Zeit finden es so zu verfremden, dass hier niemand irgendwen wieder findet.
Ausserdem habe ich eigentlich den Anspruch, hier noch halbwegs hochwertige Artikel einzustellen, und weniger „Füllcontent“. Allerdings soll dieses Blog nun kein „Stress-Faktor“ für mich darstellen, mithin mag es sein, dass die Posting-Frequenz darunter -auch weiterhin- leidet.
Wenn man die Anzahl der Beiträge in diesem Blog betrachet, sieht das folgender maßen aus:
2008: 120 Beiträge
2009: 58 Beiträge
2010: 38 Beiträge
Seit zwei Jahren nimmt hier also die Anzahl der Blogbeiträge permanent ab. Das hängt zu einem großen Teil damit zusammen, dass ich weniger Zeit als früher habe, hier Dinge einzustellen. Mehr Arbeit, auch in Zusammenhang mit dort betriebenen Internetprojekten, lassen diesen Blog da teilweise zu kurz kommen.
Nicht alles, was mit unterkommt, ist blogbar. Für vieles müssen erst einige Tage vergehen und ich Zeit finden es so zu verfremden, dass hier niemand irgendwen wieder findet.
Ausserdem habe ich eigentlich den Anspruch, hier noch halbwegs hochwertige Artikel einzustellen, und weniger „Füllcontent“. Allerdings soll dieses Blog nun kein „Stress-Faktor“ für mich darstellen, mithin mag es sein, dass die Posting-Frequenz darunter -auch weiterhin- leidet.
Samstag, 1. Januar 2011
Gutes neues Jahr
Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen
und auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden gute Deutsche
und den Deutschen eine gute Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle
in den Himmel kommen
- aber nicht sofort.
Herman Kappen, 1883
Sonntag, 26. Dezember 2010
Weihnachten 2010
Christmas is a time when people of all religions come together to worship Jesus Christ.
Bart Simpson
Ich wünsche allen ein gutes Weihnachtsfest und zugleich schon ein gutes Jahr 2011.
Sonntag, 19. Dezember 2010
4. Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit!
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit!
Rainer Maria Rilke (1875-1926)
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